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Eine kulturelle Beschreibung der Westküste von
Henning Berkefeld, Danke für die Bereitstellung dieses Textes.

Blick über den Koogrand
© 2002 Henning Berkefeld

Tips für Neugierige und Sonnenmüde. Strategien wider den Regentag mit Sehens und
Erlebenswertem an der Westküste zwischen Friedrichskoog und Sylt.
Friedrichskoog liegt in der Mündung der Elbe, gegenüber der Insel Neuwerk. Eben
dort, wo, wo die Westküste Schleswig-Holsteins beginnt. Der Erlebnisraum
zwischen Hamburg und Sylt!
Theodor Storms Schimmelreiter. - Nordsee ist Mordsee. - Trutz, Blanke Hans. -
Bernstein suchen. - Ebbe, Deiche, Fluten, Katastrophen, das sind die Stoffe, aus
denen Schleswig-Holsteins Westküste gemacht ist: Die Mythen und Sagen: „Heut
bin ich über Rungholt gefahren“ ist ein Beispiel. “Von der Nordsee, der Mordsee,
vom Festland geschieden, / Liegen die friesischen Inseln im Frieden. / Und Zeugen
weltvernichtender Wut, / Taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut. Die Möwen
zanken schon auf wachsenden Watten, / Der Seehund sonnt sich auf sandigen
Platten.“ Sie erinnern sich? Detlev von Liliencron. 1883 hat er die Ballade
geschrieben. Titel und Refrain lauten gleich: „Trutz, Blanke Hans“ und Generationen
von Schülern lernten sie auswendig. Mythen entstehen so!
Wenn Sie jetzt sofort den Seehunden in die Augen sehen wollen, dann können Sie
das hier, direkt in Friedrichkoog tun. Immerhin hat der Ort seit 1985 eine
Seehundaufzuchtstation. Dort finden verlassene Seehundbabys seit 15 Jahren
solange ein Zuhause, bis sie auf eigenen Flossen „stehen“ könne.
Friedrichskoog liegt in der Marsch, genauer in Dithmarschen. Und diese Köge, die
dem Meer durch Deichbau abgetrotzten „Seeländereien“, bilden die Marsch.
Gegenüber von Friedrichskoog, in Niedersachsen, werden sie „Groden“ und noch
weiter westlich, in Holland, „Polder“ genannt. In der Marsch ist die Farbe grün
tonangebend. Nicht politisch, eher landschaftlich betrachtet. Das Normale herrscht
hier vor. Das Nüchtern-Sachliche. Die Weite und ihr Horizont und so viel Himmel
daß auch von einem Meer gesprochen werden könnte Das Spektakuläre, die
Attraktionen und Animationen des Massentourismus sucht man in Friedrichskoog
vergebens, und das ist richtig so.
Spektakuläres gibt es am hiesigen Himmel manchmal gratis. Es sind die
dramatischen Wolkenbildungen, das harte Licht und die flachen Farben. Wer
geduldig und mit Wetter, Wind und Tageszeit im Bunde ist, der kann sie manchmal
sehen, die dramatischen Himmel des Malers Emil Nolde. Die Farben dieser
Landschaft können wirklich so glühend und wild sein, wie Nolde sie auf Papier und
Leinwand brachte. Allerdings herrschen nicht immer die Wetterbedingungen vor,
unter deren Einfluss sie besonders prächtig erscheinen können. Die Wechsel der
Jahreszeiten sind die zuverlässigsten Termine für diese Naturschauspiele.
Nolde lebte und arbeitete bis 1956 in Seebüll. Sein Haus ist von Friedrichskoog in
einem Tagesausflug mit dem Auto bequem zu erreichen. In gemütlichen zwei
Stunden fährt man auf der B5 ans nördliche Ende Nordfrieslands, wo Seebüll auf der
Höhe der Insel Sylt zu finden ist. Die Ausstellungen wechseln jährlich. Anschrift:
25927 Neukirchen, Telefon 04664/365. Im Dezember bleibt die Stiftung Ada und
Emil Nolde allerdings geschlossen.
Nicht weit von dort, ein wenig südlicher in Ockholm-Bongsiel, sollten Sie auf dem
Rückweg in Tahmsens- Gastwirtschaft Station machen. Sie heisst „Dat Swarde
Peerd“, ist urig und voll Tradition. Auf die Fisch- und Aalplatten, die es dort zu essen
gibt, mache ich Sie mit Rücksicht auf Ihre Galle besser nicht aufmerksam. Obwohl
Sie viel versäumen, falls sie Verzicht üben sollten. Was ich Ihnen allerdings verrate,
ist folgendes: Der Großvater des heutigen Wirtes, Lauritz Thamsen, gab so
manchem Maler Wohnung und Brot. Viele revanchierten sich bei ihm mit der
Währung, die einem Maler immer zur Verfügung steht. Mit Bildern. Auf diese Weise
entstand am Weltenrand des Hauke-Haien-Kooges in Bongsiel eine Privatsammlung
von Malern der Westküste. Eckener, v. Kalkreuth, Junghans und drei Nolde
Originale sind unveräußerlicher Bestandteil des Hauses. Falls Sie Bongsiel jetzt auf
Ihrer Karte suchen, dann finden Sie es auf der Höhe der Hallig Gröde, auf dem
Festland am Rande des Hauke-Haien-Kooges „Dat Swarte Peerd“, 25842 Ockholm-
Bongsiel, Tel 04674 / 1445.
Hauke Haien, das ist der Schimmelreiter. Der Deichgraf und sein Schimmel, beide
wurden zum herausragenden Symbol der Westküste Schleswig-Holsteins. Denn
wenn hier im Herbst und Frühjahr die Stürme heulen, fürchten die Menschen hinter
dem Deich den blanken Hans wie eh und je. Hier, wo das zweite Gesicht lebte, wo
die Spökenkiekerei, die Spukseherei zu Hause war, können die Sagen lebendig
werden. Viele halten die Schimmelreiternovelle Storms für eine Sage der Westküste.
In Wirklichkeit stammt der Stoff des gespenstischen Reiters von der Weichsel. Von
dort hat Theodor Storm die Sage an die ihm vertraute Nordsee geschrieben.
Seitdem wird Hauke Haien als Wiedergänger, als Vorbote drohenden Unheils auf
den Deichen gesehen.
Wir folgen seinen Spuren. Von Bongsiel kommend fahren wir über Bredstedt in die
Hattstedter Marsch. Unser Ziel ist der „Schimmelreiterkrug“ in Stredebüll, kurz vor
Husum. Er kann ein Ort der Handlung der Stormnovelle gewesen sein. Wer von
Norden kommend auf dem Deich südlich in Richtung Husum wandert hat, wie in der
Novelle, „die öde,... Marsch zur Rechten“. Hier bei Stredebüll soll das gewesen sein.
Der einsame Deichgraf allein gegen die Macht der Gewohnheit. Hauke Haien kämpft
gegen das alte, steil zum Meer abfallende Profil der Deiche, für das flache
Deichprofil. Er wußte, die steilen Deiche brachen schneller, sie boten dem Meer eine
zu leichte Angriffsfläche. Wie im Leben, so in der Novelle: Die Deiche waren immer
steil und sollen darum auch so bleiben. So kam es zur Katastrophe. Und weil das
immer und auf der ganzen Welt so ist, ist der Schimmelreiter auch Weltliteratur. - Ich
erinnere mich, vor Jahren im Schimmelreiterkrug die Radierungen zur Buchausgabe
des Schimmelreiters von Eckner an den Wänden gesehen zu haben. Noch heute
klingt die mystische Tiefe, die den Blättern zueigen war, in mir nach.
1959, nur 71 Jahre, nachdem Storm die Novelle des Schimmelreiters 1888 vollendet
hatte, verließ der Deichgraf die Buchdeckel der Erzählung und nahm in Form des
Hauke-Haien-Koges Gestalt an. Hat es ihn wirklich gegeben? Manchmal werden
Phantasien scheinbar wahr. Denn dort, wo das Meer und die Köge sind, da ist immer
auch das +.
Von Stredebüll zur Stormstadt Husum ist nur ein kurzer Weg. Ein Blick ins
Stormhaus in der Wasserreihe 31 gehört auf einer Westküstentour zum Muß. Hier
lebte der Dichter in den Jahren 1866 bis 1880. Hier ist der Sitz des Stormarchivs und
der Theodor Storm Gesellschaft. Hier gibt es wohl das meiste über den „Vater“ des
gespenstischen Reiters zu erfahren. Wer sich aber für die Entwicklungsgeschichte
des Deichbaues oder die Maler der Westküste interessiert, dem sei das
„Nissenhaus“, das Nordfriesische Museum in der Herzog-Adolf-Straße 25,
empfohlen.

Weiter südlich, fast schon auf Eiderstedt, kommen wir nördlich von Witzwort zum
„Roten Haubarg“. Der Name leitet sich vom Begriff der Heuberge, der Berge des
Heus vor den Sturmfluten schlecht bedeichter Jahrhunderte ab. In diesem
umfassend restaurierten Baudenkmal der Eiderstedter Bauernkultur befindet sich<<<<
neben einer traditionellen Ausflugsstätte ein Museum zur Geschichte der
Landwirtschaft. Museum wie Gebäude dokumentieren das großbäuerliche Leben auf
der Halbinsel Eiderstedt.
Nicht weit von hier, in Norderfriedrichskoog auf Eiderstedt, kann man eine szenische
Auferstehung des Schimmelreites erleben. Pfiffige Strategen haben dort Storms
Novelle in eine inszenierte Lesung mit Musik umgesetzt. „Der Grundgedanke ist,“ so
heißt es in einer Projektbeschreibung, „die Novelle zu ‚erwandern‘, somit die
authentische Landschaft Eiderstedts mit einzubeziehen und das einzigartige Licht,
den Wind und die typischen Geräusche als dramaturgische Mittel zu nutzen. Für die
Nennung von Terminen zu dieser Veranstaltung kann die
Fremdenverkehrsgemeinschaft Eiderstedt e.V., Am Markt 26, 25836 Garding, Tel
04862 / 469, behilflich sein.
Knapp 20 Autominuten entfernt treffen wir eine alte Werbebekanntschaft. Zur
Überraschung vieler findet sich der Leuchtturm, der für Ostfriesisches Bier warb, in
Nordfriesland. Der Leuchtturm Westerheversand im Nordwesten Eiderstedts.
Einen Westküstenpark gibt es in St. Peter.Ording. Es ist ein Haus- und Wildtierpark,
in dem man eine ungewöhnliche und einmalige Tierpräsentation erleben kann, z.B.
freifliegende nordische Enten- und Gänsearten, Weißstörche und Silbermöven.
„Westküstenpark“, Wohldweg 2, 25826 St. Peter-Ording, Tel. 04863 / 3044.
Von dort geht es über die B 202 ins Städtchen Tönning an die Eider, dem Grenzfluß
zwischen Dithmarschen und Nordfriesland. Bis 1864, dem Beginn preußischer
Herrschaft in Schleswig-Holstein, war die Eider auch Grenze zwischen dem
dänischen und dem deutschen Staatsverband. Aber die Eider war auch Vorläufer
des heutigen Nordostseekanals, der bei Brunsbüttel in die Elbe mündet. Seit 1784
verband sie die Untereider bei Rendsburg mit der Kieler Förde. Einen Bummel durch
Tönning lohnt es allemal. Der Blick auf das Alte Packhaus mit seinen 80 Metern
Länge ist ebenso eindringlich wie die teilweise wuchtigen und prachtvollen Türen der
Stadthäuser.
Wer dem geheimnisvollen Wattenmeer auf die Spur kommen will, dem sei das
„Multimar Wattforum“ empfohlen. Hier werden spannende Geschichten von langen
Reisen, gefräßigen Räubern und vom Leben zwischen Ebbe und Flut erzählt.
Unterwasserkameras, Mikroskope und Diaschauen ermöglichen unvergeßliche
Eindrücke in den amphibischen Lebensraum des Wattenmeers. “Multimar
Wattforum“, Am Robbenberg, 25832 Tönning. Telefon 04861/9620-0
Das Eidersperrwerk ebnet uns den Weg über den alten Grenzfluß nach
Dithmarschen. Angeblich sollen die Nordfriesen Deiche bauen, damit sie im Falle der
Trunkenheit nicht ins Meer rennen. In Dithmarschen aber baut man sie aus anderem
Grund. Für den Fall, daß ein Nordfriese doch ins Meer gelaufen ist, soll er in
Dithmarschen nicht wieder an Land kommen können. - Dithmarschen, du hast es
besser. Über Jahrhunderte hast du Land vom Meer dazugewonnen. Bis zur
Deichung des Speicherkooges bei Meldorf 1978. Zwar hattest du auch Deichbrüche
wie die Nordfriesen, aber dein Marschgebiet liegt hoch genug, und so wirst du vom
normalen Hochwsser, das den Sturmfluten folgt, nicht weiter überflutet. Hauke Haien
und sein Schimmel mußte nicht ausrücken. Nach den Fluten ließen sich deine
Deichbrüche wieder schließen. Häufig mit Zugewinn von neuem Land.
Wer einen Blick in Anton Heimreichs nordfriesische Chronik wirft, kann lesen, wie
anders es dem Nachbarland erging. ...“Anno 1300 Am Tage Marcelli hat sich die
Westsee durch Sturmwinde erhoben und das Wasser viel Ellen über die höchsten
Deiche geführet, Städte und Dörfer umgekehret und den Flecken Rungholt neben
sieben Kirchspielen in der Edomsharde verwüstet, andere mehr anjetzo zu
geschweigen und seien dazumal 7600 Mernschen ertrunken...“. Gemeint ist die
Marcellusflut vom 1632. In dieser großen Mandränke ging auch das reiche Rungholt
unter. Und die Sage berichtet, Rungholts Kirchenglocken hätten noch lange Zeit
hernach auf dem Meeresgrunde geläutet, daß selbst die Friesen auf der Geest
zwischen Hattstedt und Breklum es hörten. Ganz Nordfriesland soll in dieser Nacht
zerrissen worden sein und seine heutige Form erhalten haben.
Drüben, auf der anderen Seite der Eider, liegt das kleine Wesselburen vor uns. Es
hat aber einen großen Sohn. 1813 wurde hier Friedrich Hebbel als Maurersohn
geboren. Bevor er Wesselburen verließ, machte er seine ersten Schritte in die Welt
der Bücher als Schreiber des Kirchspielvogtes Mohr. Und eben dort, in der alten
Kirchspielvogtei, in der Österstrasse 6
befindet sich heute das Hebbel-Museum. 25764 Wesselburen, Österstrasse 6,
Telefon 04833 / 4190. In 10 Räumen werden hier Leben und Werk des Dichters
dokumentiert..
„Friedlich bekämpfen Nacht sich und Tag; / Wie das zu dämpfen, Wie das zu
Lösen vermag. Der mich bedrückte, Schläfst Du schon, Schmerz? / Was mich
beglückte, Sage, was war‘s doch, mein Herz?
Freude wie Kummer, Fühl‘ ich zerrann, / Aber den Schlummer Führten sie leise
heran.
Und im Entschweben, Immer empor, / Kommt mir das Leben Ganz wie ein
Schlummerlied vor.
Hebbels „Abendlied“. Sein Fastlandsmann aus Hamburg Johannes Brahms hat es
vertont. Das Stammhaus der Familie Brahms steht unweit von Wesselburen in
Heide. Der Vater von Johannes stammt aus Dithmarschen, und im Hamburger
Alsterpavillon verdiente er als Musiker sein Geld. Dort soll es auch zu einem ganz
Dithmarschen charakterisierenden Ausspruch gekommen sein. Vater Brahms spielte
sein Instrument, den Kontrabaß zu laut. Der Kapellmeister rügte dies und der Vater
des Komponisten soll gewantwortet haben: ‚Herr Kapellmeister, das ist mein
Kontrabaß, und darauf spiel ich so laut, wie ich das will!“. Natürlich in Plattdeutsch.
Das Brahmshaus in Heide ist im Stadtteil Luttenheid, Brahmsstrasse 8 gleich neben
dem Klaus Groth-Museum. Brahmshaus , Lüttenheid, 25746 Heide, Telefon 0481 /63186.
Beim Dichter Klaus Groth, kann, wer Zeit und Lust hat, gleich neben dem
Brahmshaus hineinsehen. Sein Werk machte noch zu seinen Lebzeiten das
Niederdeutsche zur anerkannten Literatursprache. Vielen wird es bekannt sein, das
Gedicht: „Lütt Matten, de Has‘“. Klaus-Groth-Museum, Lüttenheid 48, 25746 Heide,
Telefon 0481 / 63742. GRUNDSÄTZLICH EMPFEHLE ICH WEGEN DER WECHSELNDEN
SAISON- UND ÖFFNUNGSZEITEN TELEFONISCHE ERKUNDIGUNG BEI ALLEN MUSEEN.
Den Erlebnispark „Land & Leute“ will ich Ihnen nicht unterschlagen. Er liegt bei
Oesterwurth, nordwestlich von Heide. Hier ist alles zu finden, was das Herz der
kleinen und großen Menschen begehrt. Neben Ziegen, Schafen und Kühen gibt es
Abenteuerspielplätze, Ruderbootfahren und Ponyreiten. „Land & Leute
Erlebnispark“, Oesterwurth zwischen Heide und Büsum, Telefon 04833 / 2929.
Ganz in der Nähe, eben in Büsum, liegen die Schiffe der Reederei H. G. Rahder.
Von dort lassen sich ein paar schöne Schiffsfahrten machen, zum Beispiel mit der
Lady von Büsum nach Helgoland. Der Aufenthalt auf Deutschlands einziger
Hochseeinsel dauert ca. 3 - 4 Stunden.
Über Meldorf geht es zurück nach Friedsrichskoog. In Meldorf ist zu erwähnen das
Dithmarschener Landesmuseum in der Bütjenstrasse 4. Es ist das älteste und gößte
Museum des Landes und wurde bereits 1842 gegründet. Es informiert über das
bäuerliche Kulturgut aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Dithmarschener
Landesmuseum, Bütjenstrasse 4, 25704 Meldorf, Tel. 04832 / 7252. Den Dom der
Dithmarscher, die St. Johannis Kirche, aber sollten Sie in jedem Fall ansehen. Im
Dom erinnert eine Grabplatte an den Arabienforscher Carsten Niebuhr. Niebhur
bereiste von 1761-1767 den Jemen. Der Dänische König finanzierte die Expedition
und der späterer Stadtschreiber zu Meldorf, überlebte die Reise als einziger.
Wir kehren zurück nach Friedrichskoog, wo in Schleswig-Holstein das Land vor der
Nordsee beginnt. Wo die Sagen Gestalt annehmen. Wo die Wiedergänger, die
Klaubautermänner und Gonger, die Zwerge, Pukken und Elfen zu Hause sind. Ein
Land, in dem der Vorspuk lebt. Mag sein, das es am Nebel liegt, der hier im Herbst
durch die Köge zieht!
Sind Sie schon mal bei Nebel im Vorland spazieren gegangen? Wenn nicht, dann
sollten Sie es tun. Aber bleiben Sie in Deichnähe, so daß Sie wieder zurückfinden
können, denn die Orientierung ist schnell verloren! Bei nur dreißig Metern Sicht
wundert man sich nicht weiter, wenn unvermutet aus den Schwaden des
schwebenden Nebels ein Unterirdischer vor einem steht. Vielleicht ist es nicht von
ungefähr, daß der bekannteste Sagensammler Schleswig-Holsteins aus Marne
stammt. Karl Victor Müllenhoff, Germanist und Volkskundler gab 1845 „Die Sagen,
Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg“ heraus.
Das Land hinter den Deichen ist das Land der Spukseherei. Hier, am Ende des
Elbtrichters beginnt die Kulturlandschaft der Nordseemarschen. Der blanke Hans
hat sie geprägt. Von hier aus kann sie wer will erobern. Hinauf bis zum Gotteskoog,
wo Emil Nolde seine Bilder von der Westküste schuf.

Henning Berkefeld
© 2002 Henning Berkefeld